Das deutsche Berufsbildungssystem ist stark, weil es standardisiert. Es ist schwach, wo Menschen Kompetenzen außerhalb dieser Standards erwerben: im Ehrenamt, in der Angehörigenpflege, in der Vereinsarbeit, in ungelernter Erwerbstätigkeit oder in einem im Ausland begonnenen Berufsweg.
Kompetenz entsteht auch dort, wo niemand ein Zeugnis ausstellt.
2,76 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Viele von ihnen können mehr, als ihre Papiere zeigen. Der Unterschied zwischen Können und Nachweis ist die größte stille Reserve des Arbeitsmarktes.
Stand: September 2026. Quellen am Ende jedes Abschnitts.
Kernbefunde
- 2,76Mio.
- 20- bis 34-Jährige ohne Berufsabschluss, 18,8 Prozent dieser Altersgruppe, 2024
- 84.400
- junge Menschen waren zum 30. September 2025 weiter auf Ausbildungssuche
- 39.900
- davon unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, höchster Wert seit 2007
- 41%
- Weiterbildungsbeteiligung bei niedrigem Schulabschluss, gegenüber 69 Prozent bei hohem
BIBB-Datenreport 2026, veröffentlicht am 6. Mai 2026. Adult Education Survey 2022, Trendbericht.
Ausgangslage
Drei Gruppen, die der formale Weg nicht erreicht
Die stille Reserve in Zahlen
2,76 Millionen der 20- bis 34-Jährigen hatten 2024 keinen Berufsabschluss.
BIBB-Datenreport 2026
Neu abgeschlossene duale Ausbildungsverträge 2025, ein Rückgang um 2,1 Prozent gegenüber 2024.
BIBB-Datenreport 2026
Anteil der Unternehmen, die 2024 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten. 73 Prozent nennen fehlende geeignete Bewerbungen als Grund.
DIHK-Ausbildungsumfrage 2025, 14.994 Unternehmen
Positiv beschiedene Anerkennungsverfahren 2025, ein Plus von zehn Prozent. Anerkennung ist der formalisierte Weg, vorhandene Kompetenz sichtbar zu machen.
Statistisches Bundesamt, 19. August 2026
Hintergrund
Warum Engagement mehr ist als ein weicher Faktor
In gemeinnützigen Organisationen entstehen täglich Kompetenzen, die in jeder Stellenausschreibung stehen: Verantwortung für Menschen, Umgang mit knappen Mitteln, Koordination in Teams ohne Weisungsbefugnis, Dokumentation, Beratung, Krisenreaktion. Nur führt daraus selten ein Pfad in eine formale Qualifikation.
Der Deutsche Hilfsbund hat hier einen strukturellen Vorteil: Seine Mitgliedsorganisationen sind genau die Orte, an denen diese Kompetenzen entstehen. Wer dort engagiert ist, kann über unsere Vermittlung den nächsten Schritt gehen, ohne bei null anzufangen.
Wichtig ist die Redlichkeit an dieser Stelle: Eine Gleichsetzung von Engagement und Berufsabschluss wäre falsch. Was wir leisten können, ist die Brücke zwischen beidem: Einordnung der vorhandenen Erfahrung, Auswahl einer passenden Qualifizierung und der Kontakt zu einem Unternehmen, das den Einstieg mitträgt.
Quellen: BIBB-Datenreport 2026. DIHK-Ausbildungsumfrage 2025. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 295 vom 19. August 2026.
Position des DEHIB
Unsere Position zu Kompetenzen aus Engagement
Der Verband vertritt gemeinnützige Organisationen. Damit vertritt er auch die Menschen, die dort arbeiten und sich engagieren. Wir halten es für eine Fehlallokation, wenn erworbene Fähigkeiten am fehlenden Papier scheitern, während 157 Berufsgattungen als Engpassberufe gelten.
Was wir konkret anbieten
- Einordnungsgespräch: Wir klären, welche vorhandene Erfahrung auf welchen Zielberuf einzahlt.
- Anschluss an Qualifizierung: Wir benennen abschlussorientierte Wege statt unverbindlicher Kurse.
- Vermittlung an geprüfte Unternehmen: Der Einstieg erfolgt bei Unternehmen mit DEHIB-Gütesiegel.
- Mitwirkung der Organisationen: Mitgliedsorganisationen können Menschen aus ihrem Umfeld direkt anbinden.
- Keine Gleichsetzung: Engagement ersetzt keinen Abschluss, aber es verkürzt den Weg dorthin.
Erfahrung sichtbar machen
Ob aus dem Ehrenamt, der Angehörigenpflege oder einer ungelernten Tätigkeit: Schildern Sie uns, was Sie können. Wir ordnen ein, welcher Abschluss daran anschließt.
