Die öffentliche Debatte führt Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit als Gegensätze. Die Daten zeigen das Gegenteil: beides steigt gleichzeitig. Wer daraus die richtige Schlussfolgerung zieht, landet nicht bei mehr Vermittlung, sondern bei besserer Qualifizierung.
Der Arbeitsmarkt entkoppelt sich. Qualifikatorisch, nicht quantitativ.
Erstmals seit der Pandemie stehen mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen zur Verfügung. Trotzdem dauert die Besetzung einer Stelle im Schnitt 157 Tage. Das ist kein Mengenproblem. Es ist ein Passungsproblem, und damit ein Weiterbildungsproblem.
Stand: September 2026. Quellen am Ende jedes Abschnitts.
Kernbefunde
- 157
- Engpassberufe von 1.236 bewerteten Berufsgattungen, Berichtsjahr 2025
- 157Tage
- durchschnittliche Vakanzzeit bis zur Besetzung, August 2026
- 369.516
- rechnerisch nicht besetzbare Stellen im Jahresdurchschnitt 2025
- 13,3Mio.
- Erwerbspersonen erreichen bis 2040 die Regelaltersgrenze
Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 und Monatsbericht August 2026. KOFA/IW Köln, Jahresrückblick 2025. Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2025.
Ausgangslage
Drei Befunde, die zusammengehören
Engpass in Zahlen
Von 1.236 bewerteten Berufsgattungen gelten 157 als Engpassberuf, davon 84 auf Fachkraftniveau, 48 auf Spezialisten- und 25 auf Expertenniveau. Weitere 161 stehen unter Beobachtung.
Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025
In der Altenpflege fehlten im Jahresdurchschnitt 2025 rechnerisch 15.233 Fachkräfte. Vergleichbar hoch liegen Bauelektrik und elektrische Betriebstechnik.
KOFA/IW Köln, Jahresrückblick 2025
Gut jedes dritte Unternehmen kann offene Stellen nicht besetzen. In der Bauwirtschaft sind es 49 Prozent, in Industrie und Dienstleistungen jeweils 36 Prozent.
DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, rund 22.000 antwortende Unternehmen
Knapp vier von zehn Unternehmen mit Besetzungsproblemen suchen ausdrücklich Menschen mit einem Weiterbildungsabschluss. Nur die duale Ausbildung wird häufiger genannt.
DIHK-Fachkräftereport 2025/2026
Hintergrund
Warum mehr Vermittlung allein nicht reicht
Die Zahl der Engpassberufe ist von 183 im Jahr 2023 auf 157 im Jahr 2025 gesunken. Das klingt nach Entspannung, ist aber konjunkturell erklärt: Bei schwacher Arbeitskräftenachfrage melden Unternehmen weniger Stellen. Die strukturelle Lage bleibt unverändert.
Gleichzeitig steigen Arbeitslosigkeit und gemeldete Stellen zum ersten Mal seit Langem parallel: 3.061.000 Arbeitslose im August 2026 bei 656.000 gemeldeten Stellen, beides mit Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Ein Markt, der gleichzeitig mehr Suchende und mehr Suchen hat, ist kein knapper Markt. Er ist ein schlecht sortierter Markt.
Die Sortierung leistet keine Vermittlung, sondern Qualifizierung. Genau hier setzt der Deutsche Hilfsbund an: Wir bringen Menschen mit Qualifizierungsbedarf und Unternehmen mit geprüfter Aufnahmefähigkeit zusammen, statt Stellenanzeigen zu zählen.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 und Presseinformation Nr. 31 vom 28. August 2026.
Position des DEHIB
Was der Deutsche Hilfsbund daraus ableitet
Fachkräftesicherung ist für uns kein Appell an die Politik, sondern eine operative Aufgabe. Wir beteiligen uns an Unternehmen, prüfen sie in einem kostenfreien Audit und öffnen ihnen unser Netzwerk. Im Gegenzug entstehen dort Arbeitsplätze, die wir mit Menschen besetzen, die eine Qualifizierung abgeschlossen haben oder anstreben.
Der Kreis schließt sich über den Deutschen Hilfsfonds: Erträge aus stillen Beteiligungen fließen zurück in die Unterstützung unserer Mitgliedsorganisationen.
Unsere Arbeitsgrundlagen
- Qualifikation vor Quantität: Wir messen Erfolg an abgeschlossenen Qualifizierungen, nicht an Vermittlungszahlen.
- Geprüfte Unternehmen: Vermittelt wird nur an Unternehmen, die unser Audit durchlaufen haben und das DEHIB-Gütesiegel tragen.
- Endkundenbezug: Wir beteiligen uns an Unternehmen mit B2C-Geschäftsmodell, B2B auf Anfrage.
- Belastbare Daten: Jede Aussage dieses Verbandes ist mit Quelle und Bezugszeitraum belegt.
- Kein Wettbewerb zur Zielgruppe: Wir gründen keine eigenen Bildungsträger und keine konkurrierenden Unternehmen.
Ihre Lage, konkret besprochen
Ob Unternehmen mit unbesetzten Stellen oder gemeinnützige Organisation mit Qualifizierungsbedarf: Der erste Schritt ist ein Gespräch über Ihre konkrete Situation. Unverbindlich und vertraulich.
