
Arbeitsmarktintegration
Integration funktioniert. Sie braucht länger, als die Debatte erlaubt.
Acht Jahre nach dem Zuzug sind 68 Prozent der Geflüchteten der Kohorten 2013 bis 2019 erwerbstätig. Wer nach drei Jahren bilanziert, misst zu früh und zieht die falschen Schlüsse.
Stand: September 2026. Quellen am Ende jedes Abschnitts.
Lage
Der Zeithorizont entscheidet über das Urteil
Arbeitsmarktintegration verläuft nicht linear. Sie beginnt langsam, weil Sprache, Anerkennung und Aufenthaltsstatus vorgeschaltet sind, und beschleunigt dann deutlich. Wer den falschen Messzeitpunkt wählt, kommt zwangsläufig zu einem falschen Ergebnis.
Nach acht Jahren: 68 Prozent
Die Erwerbstätigenquote der Fluchtkohorten 2013 bis 2019 lag acht Jahre nach Zuzug bei 68 Prozent.
Quelle: IAB-Forum vom 15. Oktober 2025.
Nach dreieinhalb Jahren: rund 50 Prozent
Von den zu Kriegsbeginn eingereisten ukrainischen Geflüchteten war Mitte 2025 etwa die Hälfte beschäftigt. Frauen arbeiten häufiger in Helfertätigkeiten, Männer häufiger in Fachkraftpositionen.
Quelle: IAB-Kurzbericht 3/2026 vom 17. Februar 2026.
Erwerbsmigration hat sich verdoppelt
420.000 Menschen waren im Juni 2025 mit einem erwerbsbezogenen Aufenthaltstitel sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gegenüber rund 200.000 im Jahr 2020. Auf die Blaue Karte EU entfallen rund 164.000.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 18. Februar 2026.
Zahlen
Integration in Zahlen
86.600
anerkannte Abschlüsse 2025
Positiv beschiedene Verfahren, ein Plus von zehn Prozent. Häufigste Berufe: Pflegefachkräfte 32.000, Ärztinnen und Ärzte 13.900, Ingenieurinnen und Ingenieure 4.600.
Statistisches Bundesamt, 19. August 2026
84%
bundesrechtlich geregelt
Der Großteil der Anerkennungsverfahren betrifft bundesrechtlich geregelte Berufe, 16 Prozent landesrechtlich geregelte. Die Zuständigkeitsfrage ist damit beantwortbar.
Statistisches Bundesamt, 19. August 2026
0,6%
Beschäftigtenanteil ukrainischer Geflüchteter
242.000 Beschäftigte Ende 2024 gegenüber 0,2 Prozent im Jahr 2022. Die Arbeitslosenquote dieser Gruppe sank von 68 Prozent im August 2022 auf rund 45 Prozent im Dezember 2024.
IAB-Forum vom 15. Oktober 2025
360.000
digitale Beratungen
Beratungen der Bundesagentur für Arbeit zur Fachkräfteeinwanderung bis Ende 2025, davon 23.600 zur Berufsanerkennung allein im Jahr 2025.
Bundesagentur für Arbeit, 18. Februar 2026
Hintergrund
Wo das Verfahren bremst, nicht der Mensch
Die deutlichste regulatorisch erzeugte Knappheit zeigt die Westbalkanregelung: Trotz eines auf 50.000 verdoppelten Jahreskontingents mussten allein im Dezember 2025 rund 18.000 Anfragen abgelehnt werden, weil das Kontingent erschöpft war. Die Nachfrage der Unternehmen übersteigt das zugelassene Angebot deutlich.
Auf der Anerkennungsseite liegen 84 Prozent der Verfahren im Bundesrecht, 16 Prozent im Landesrecht. Wer Verfahren beschleunigen will, hat damit einen klaren Adressaten. Gleichzeitig wuchsen die Anerkennungen 2025 um zehn Prozent, bei syrischen Abschlüssen um 42 Prozent.
Der Deutsche Hilfsbund verbindet diese Ebene mit der betrieblichen: Unternehmen mit DEHIB-Gütesiegel sind darauf geprüft, dass sie Menschen mit Anerkennungsverfahren, Sprachbedarf oder Qualifizierungslücke tatsächlich aufnehmen können, statt sie nach drei Monaten zu verlieren.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Presseinformation Nr. 07 vom 18. Februar 2026. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 295 vom 19. August 2026.
Position des Verbandes
Unsere Position zur Arbeitsmarktintegration
Integration gelingt dort, wo ein Betrieb bereit und in der Lage ist, sie zu tragen. Deshalb prüfen wir im Audit nicht nur Rechtssicherheit und Nachhaltigkeit, sondern auch, ob ein Unternehmen Einarbeitung, Sprachbedarf und Anerkennungsverfahren organisatorisch abbilden kann.
Unsere Maßstäbe
- Realistische Zeithorizonte: Wir bewerten Integration an Achtjahresverläufen, nicht an Momentaufnahmen.
- Aufnahmefähigkeit als Prüfkriterium: Das Audit betrachtet auch die Einarbeitungsfähigkeit des Unternehmens.
- Anerkennung zuerst: Wir verweisen auf die zuständigen Anerkennungsstellen, bevor wir vermitteln.
- Keine Verdrängungslogik: Zuwanderung und inländische Qualifizierung sind für uns zwei Säulen, keine Alternativen.
- Politische Sachlichkeit: Wir argumentieren mit amtlichen Daten und benennen deren Grenzen.
Sie wollen sich weiterbilden oder umschulen?
Der Deutsche Hilfsbund vermittelt Interessierte gezielt an Unternehmen, die unser Audit durchlaufen haben und das DEHIB-Gütesiegel tragen. Sie schildern Ihr Anliegen, wir prüfen Qualifikation, Ziel und Region und stellen den Kontakt her. Für Sie ist das kostenfrei.
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